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Hypothekarzins-Prognose 2026: Welche Finanzierung sich jetzt lohnt

Die Zinswende ist vorerst abgesagt: Seit Juni 2025 hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins bei 0,0%, die Inflation pendelt gemäss aktueller Lagebeurteilung zwischen 0,2 und 0,6%. Für Eigentümer:innen bedeutet das nicht automatisch Tiefstzinsen auf Lebenszeit - denn Banken preisen regulatorische Aufschläge, Pfandbriefkosten und Margen ein. Dieser Beitrag ordnet die Hypothekarzins-Prognose bis 2026 ein und zeigt, welche Finanzierungstaktik jetzt passt.
Nullzins bleibt, Inflation flach - warum das wichtig ist
Die SNB rechnet für 2026 weiterhin mit nur 0,3% Inflation, solange der Leitzins bei 0% bleibt. Damit sendet sie ein klares Signal: Preisstabilität hat Vorrang, drastische Zinssenkungen in den Negativbereich sind weder notwendig noch politisch gewollt. Das bestätigt auch die Analyse von Houzy - 38 von 40 befragten Ökonom:innen gingen zuletzt von einer Nullrunde aus. Gleichzeitig liegt der hypothekarische Referenzzinssatz für Mietzinsanpassungen seit September 2025 unverändert bei 1,25%. Für Eigentümer:innen heisst das: Die Zinsbasis ist stabil, aber die Spielräume verschieben sich von der Geldpolitik zur Umsetzung bei den Banken.
Wer diese Ausgangslage aktiv nutzt, verschafft sich Zeit. Laufzeiten können heute ohne Hektik geplant werden, weil keine abrupten Zinsschocks drohen. Gerade Verkaufswillige, die ihre Immobilie über die nächsten 12 bis 24 Monate platzieren möchten, sollten dennoch Szenarien für leicht steigende Margen durchspielen – zum Beispiel dann, wenn Banken zusätzliche Eigenmittel für Renditeobjekte verlangen.
Festhypotheken bleiben attraktiv - mit eingebauter Bremse
Aus Sicht von Comparis hat sich der Markt für zehnjährige Festhypotheken seit Sommer 2025 beruhigt: Die Richtzinsen pendeln zwischen 1,64 und 1,87%, der aktuelle Durchschnitt liegt bei 1,74% - einzelne Anbieter wie HypoPlus vermitteln Deals bis 1,25%. MoneyPark erwartet sogar, dass langfristige Festhypotheken bis Mitte 2026 nochmals leicht nachgeben könnten, falls die Nullzinsphase bestätigt wird. Klingt nach einem Selbstläufer, hat aber zwei Haken.
Die Spanne zwischen Schaufenster- und Verhandlungszins bleibt gross. Ohne Offertenvergleich und saubere Dossiers vergeben Banken keine Bestkonditionen.
Kapitalmarktrenditen kommen nicht eins zu eins bei Kund:innen an. Laut cash.ch legen Banken zusätzliche Margen auf, weil Pfandbriefrenditen kaum gefallen sind, die Basel-III-Regeln höhere Eigenmittel fordern und die SNB seit 2024 höhere Mindestreserven verlangt.
Festhypotheken sind deshalb ideal für Eigentümer:innen, die Budget-Sicherheit priorisieren - etwa Familien mit langer Haltedauer oder Investor:innen, die Mietzinse nur moderat erhöhen können. Wer mehr über taktische Laufzeitkombinationen erfahren möchte, findet im Beitrag "Trends im Schweizer Hypothekarmarkt" zusätzliche Hintergrundfakten.
SARON & variable Modelle: Chancen mit Aufsichtsklammer
SARON-Hypotheken profitieren unmittelbar vom Nullzins: Rund ein Viertel aller schweizerischen Hypotheken ist inzwischen daran gekoppelt. Doch der regulatorische Druck nimmt zu. Die FINMA hat 2025 strengere Mindeststandards für Hypothekarfinanzierungen als verbindlich erklärt und warnt vor zu optimistischen Tragbarkeitsannahmen. Parallel dazu sorgt die Basel-III-Umsetzung dafür, dass Banken mehr Eigenkapital pro Kredit bereitstellen müssen - was variabel verzinste Produkte verteuert oder deren Flexibilität einschränkt.
Besonders Renditeobjekt-Finanzierungen spüren die höheren Risikogewichte. Wer Mietwohnungen hält und auf SARON setzt, sollte deshalb mehr Puffer einplanen und die Eigenmietwert-Kalkulation inklusive Referenzzinssatz simulieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an unabhängige Bewertungen und periodische Bonitätsprüfungen. Je sauberer Ihre Unterlagen, desto eher erhalten Sie Handlungsspielraum, um SARON mit einer kurzen Festhypothek zu kombinieren.
Strategie-Framework für Eigentümer:innen 2026
1. Bedarf analysieren
Starten Sie mit drei Fragen: (a) Wie lange bleibt die Immobilie in Ihrem Besitz? (b) Welche Cashflows stehen für Zins, Amortisation und Unterhalt zur Verfügung? (c) Welche Marktbewegungen würden Sie emotional und finanziell stressen? Die Antworten bestimmen Ihren Risikokorridor.
2. Laufzeiten staffeln
Kombinieren Sie unterschiedliche Horizonte, um Opportunitäten zu nutzen. Eine häufige Variante 2026: 60% über eine 7- bis 10-jährige Festhypothek zur Sicherung der Grundlast, 40% über eine 3-jährige Tranchen oder SARON-Komponente, um von möglichen Margenrückgängen zu profitieren. MoneyPark empfiehlt explizit, Prognosen nicht zu überschätzen und Mischstrategien über Beratung abzusichern.
3. Zinsangebote aktiv verhandeln
Die Differenz zwischen publizierten Richtzinsen und realen Abschlüssen beträgt schnell 40-60 Basispunkte. Nutzen Sie Marktvergleiche, bringen Sie alternative Offerten mit und verweisen Sie auf Ihre solide Tragbarkeit. Im Beitrag "Erfolgreich verhandeln: So optimieren Sie Ihre Hypothekarzinsen" finden Sie konkrete Argumentationsketten.
4. Regulatorische Kosten einpreisen
Basel III, neue FINMA-Vorgaben und höhere Pfandbriefspreads sind keine kurzen Ausreisser, sondern strukturelle Faktoren. Planen Sie deshalb realistisch mit Aufschlägen von 20-30 Basispunkten auf das, was der reine Kapitalmarkt erwarten lässt. Besitzer:innen von Renditeobjekten sollten zusätzlich prüfen, ob eine Teilamortisation oder eine Verbesserung der Belehnung (<65%) die Kreditmarge senkt.
5. Verkauf oder Refinanzierung vorbereiten
Wer seine Immobilie in den nächsten 12 Monaten verkaufen möchte, sollte frühzeitig die Hypothekarfrage klären. Eine klare Darstellung der laufenden Finanzierung hilft Käufer:innen, schneller zu entscheiden. Wie Sie Transaktionskosten einkalkulieren, lesen Sie im Beitrag "Gebühren beim Hauskauf 2026: Nebenkosten & Kantonsvergleich".
Praxis-Check: Drei Szenarien
Szenario A - Eigentümerpaar mit langfristigem Horizont: Budgetiert mit konservativen Cashflows und entscheidet sich für 70% Festhypothek (10 Jahre) plus 30% SARON. Vorteil: Budget-Sicherheit und dennoch Teilnahme an sinkenden Margen. Risiko: SARON-Komponente verteuert sich, falls Banken kurzfristig die Marge erhöhen.
Szenario B - Renditeobjekt mit Staffelmieten: Wegen höherer FINMA-Risikogewichte zahlt das Objekt bereits heute einen Zuschlag. Lösung: Belehnung unter 60% drücken, Mieterhöhungen entlang des Referenzzinssatzes sauber dokumentieren und eine 5-jährige Festhypothek mit vorgezogener Amortisation kombinieren.
Szenario C - Verkauf in 18 Monaten geplant: Eigentümer:in erneuert nur 50% der Finanzierung über drei Jahre und lässt den Rest auf SARON laufen, um bei einem Verkauf flexibel aussteigen zu können. Gleichzeitig wird ein Käufer-Dossier vorbereitet, das Tragbarkeit, Referenzzins und Energie-Performance belegt.
Nächste Schritte mit avendo
Unabhängig vom Modell gilt: Je besser Sie Ihre Objekt- und Finanzierungsdaten kennen, desto stärker verhandeln Sie mit Banken und potenziellen Käufer:innen. Nutzen Sie die kostenlose Schnellbewertung von avendo, um den aktuellen Marktwert zu prüfen und verschiedene Finanzierungsvarianten mit realistischen Exit-Szenarien zu testen. Unser Team unterstützt Sie auf Wunsch mit einem individuellen Finanzierungsspiegel und vernetzt Sie mit Makler:innen, die den regionalen Markt kennen.
Starten Sie jetzt Ihre kostenlose Schnellbewertung und lassen Sie sich zeigen, welche Hypothekarstrategie zu Ihrer Immobilie passt.





