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Direkte vs. indirekte Amortisation: Welche Variante sich für wen lohnt

Daniel SchüpferDaniel Schüpfer5 Min. LesezeitFinanzen & SteuernFinanzierung
Finanzberater am Schreibtisch mit Laptop und Unterlagen prüft die Amortisationsvarianten einer Schweizer Hypothek

Zwei Wege zum gleichen Ziel – und trotzdem landen die meisten Eigenheimbesitzer beim falschen. Bei der direkten Amortisation zahlen Sie die Schuld laufend zurück: weniger Zins, aber auch weniger Steuerabzug. Bei der indirekten Amortisation bleibt die Schuld stehen und das Geld fliesst in die Säule 3a: voller Schuldzinsabzug plus 3a-Abzug, dafür konstante Zinslast. Wer hoch besteuert wird, fährt bis 2029 meist mit der indirekten Variante besser – danach ändert sich die Rechnung grundlegend.

Wer eine Hypothek aufnimmt, muss den Teil über zwei Dritteln des Immobilienwerts amortisieren. Zwingend, innerhalb von 15 Jahren oder bis zur Pensionierung. Wie das passiert, ist dagegen komplett offen. Und genau hier verschenken viele bares Geld, weil sie sich für die bequemere statt für die richtige Variante entscheiden.

KriteriumDirekte AmortisationIndirekte Amortisation
Geldflussan die Bankin die Säule 3a (verpfändet)
Hypothekarschuldsinkt laufendbleibt konstant
Schuldzinssinktbleibt voll bestehen
Steuerabzügeschrumpfen jährlichSchuldzins und 3a-Einzahlung
Vorsorgekapitalwird nicht aufgebautwächst parallel auf
RisikotiefMarkt- und Zinsrisiko
Ab 2029Vorteil wächstSteuervorteil halbiert sich

Wie funktioniert die direkte Amortisation?

Bei der direkten Amortisation zahlen Sie regelmässig einen fixen Betrag an die Bank. Die Hypothekarschuld sinkt. Punkt. Das klingt vernünftig, und rein rechnerisch ist es das auch: weniger Schuld heisst weniger Zins.

Das Problem liegt daneben. Weniger Zins heisst auch weniger Abzug bei den Steuern. Ihre Steuerlast steigt Jahr für Jahr, während Ihre Hypothek schrumpft. Niemand erklärt das am Anfang so deutlich, wie es sich später anfühlt – ein Effekt, den die Bank in der Offerte selten prominent ausweist.

Wie funktioniert die indirekte Amortisation?

Bei der indirekten Variante fliesst Ihr Geld nicht an die Bank, sondern in die Säule 3a oder in eine Lebensversicherung, die als Pfand für die Bank dient. Die Hypothekarschuld bleibt unverändert bestehen. Der Schuldzins auch. Das Prinzip ist dasselbe wie bei der Verpfändung von Vorsorgegeldern beim Hauskauf: Das Kapital bleibt im System und dient der Bank nur als Sicherheit.

Das ist der Trick: Der volle Zins bleibt steuerlich abzugsfähig, und die Einzahlung in die Säule 3a ist es ebenfalls. Zwei Abzüge statt einem. 2026 sind das bis zu 7'258 Franken für Angestellte mit Pensionskasse und bis zu 36'288 Franken für Selbstständige ohne Pensionskasse. Gleichzeitig bauen Sie Vorsorgekapital auf – fürs Alter, nicht nur fürs Eigenheim.

Säule 3a 2026Maximaler Abzug
Angestellte mit Pensionskasse7'258 CHF
Selbstständige ohne Pensionskasse20 % des Nettoerwerbseinkommens, max. 36'288 CHF

Welche Risiken hat die indirekte Amortisation?

Indirekte Amortisation ist kein Freibrief. Ihre Schuld bleibt bis zur Pensionierung stehen, komplett. Wenn die Hypothekarzinsen steigen, zahlen Sie auf dem vollen Betrag, nicht auf einem sinkenden Rest. Und wer sein 3a-Geld in Wertschriften anlegt statt auf dem Konto liegen zu lassen, trägt Marktrisiko. Das Geld muss am Ende da sein, wenn die Bank es sehen will.

Wer knapp kalkuliert, sollte diese Variante deshalb zweimal rechnen – am besten mit dem Tragbarkeitsrechner und einem Zinsszenario deutlich über dem heutigen Niveau.

Was ändert der Systemwechsel 2029?

Hier liegt der wichtigste Punkt, und er ist neu: Die Abschaffung des Eigenmietwerts ist beschlossen. Das Stimmvolk hat sie am 28. September 2025 mit 57,7 Prozent angenommen, der Bundesrat hat das Inkrafttreten auf den 1. Januar 2029 festgelegt. Bis dahin gilt das alte Recht.

Ab 2029 fällt mit dem Eigenmietwert auch der Schuldzinsabzug für selbst genutztes Wohneigentum weitgehend weg – und damit die Hälfte des Steuervorteils, auf dem die indirekte Amortisation beruht. Der 3a-Abzug bleibt, der Schuldzinsabzug nicht. Einzige Ausnahme ist der Ersterwerberabzug: Wer erstmals selbst genutztes Wohneigentum kauft, darf Schuldzinsen noch zehn Jahre lang abziehen, degressiv abschmelzend und gedeckelt auf anfänglich 10'000 Franken für Ehepaare und 5'000 Franken für Alleinstehende. Was das im Detail bedeutet, steht im Beitrag zum Systemwechsel 2029.

Für die Praxis heisst das: Die indirekte Amortisation bleibt attraktiv, aber ihr Vorsprung hat ein Ablaufdatum. Wer heute eine Strategie über 15 Jahre festlegt, plant zwangsläufig über diesen Stichtag hinaus.

Welche Variante bei Ihnen mehr bringt, hängt an Steuersatz, Zinsniveau und Zeithorizont – drei Zahlen, die man einzeln durchrechnen muss. Die Finanzierungsexperten von avendo stellen Ihnen beide Varianten gegenüber.

Für wen lohnt sich welche Variante?

Direkte Amortisation passt zu Leuten mit hohem, stabilem Einkommen, die sich mit Steueroptimierung nicht aufhalten wollen und im Alter möglichst schuldenfrei sein möchten. Auch für alle kurz vor der Pension, die keine Lust mehr haben, mit 63 noch eine hohe Hypothek zu schleppen. Und ab 2029 gewinnt sie zusätzlich an Boden, weil der Steuernachteil dann kleiner ausfällt.

Indirekte Amortisation lohnt sich für alle mit hoher Steuerbelastung, die den Doppelabzug ausreizen wollen. Für Selbstständige ohne Pensionskasse sowieso, weil dort der 3a-Rahmen fast fünfmal so gross ist. Und für alle, die im Kopf zwischen Vorsorge und Immobilie keinen Unterschied machen wollen – beides zählt.

Ihre SituationEher geeignet
Hohe Steuerbelastung, langer Horizontindirekt
Selbstständig ohne Pensionskasseindirekt
Kurz vor der Pensionierungdirekt
Sicherheitsbedürfnis, kein Marktrisiko gewünschtdirekt
Knappe Tragbarkeit bei steigenden Zinsendirekt

Die Quintessenz

Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Es gibt nur Ihre Steuersituation, Ihr Risikoprofil und Ihren Zeithorizont bis zur Pension. Wer das nicht einzeln durchrechnet, entscheidet nach Bauchgefühl – bei einer sechsstelligen Hypothekarsumme die teuerste Option von allen.

Und rechnen Sie zweimal: einmal nach heutigem Recht und einmal für die Zeit ab 2029. Wer schon beim Eigenkapital sauber plant und den aktuellen Wert seiner Immobilie kennt, trifft auch bei der Amortisation die bessere Entscheidung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Amortisation?
Bei der direkten Amortisation zahlen Sie regelmässig einen festen Betrag an die Bank – die Hypothekarschuld sinkt, damit sinken auch Zins und Schuldzinsabzug. Bei der indirekten Amortisation fliesst das Geld stattdessen in die Säule 3a oder eine verpfändete Lebensversicherung. Die Schuld bleibt konstant, der Zins bleibt voll abzugsfähig, und zusätzlich ist die 3a-Einzahlung abziehbar.
Muss ich eine Hypothek in der Schweiz überhaupt amortisieren?
Amortisationspflichtig ist nur der Teil der Hypothek, der zwei Drittel des Immobilienwerts übersteigt – die sogenannte zweite Hypothek. Sie muss innerhalb von 15 Jahren oder bis zur Pensionierung auf zwei Drittel zurückgeführt werden, je nachdem, was früher eintritt. Ob das direkt oder indirekt geschieht, ist frei wählbar und wird mit der Bank vereinbart.
Wie viel darf ich 2026 in die Säule 3a einzahlen?
Angestellte mit Pensionskasse dürfen 2026 bis zu 7'258 Franken in die Säule 3a einzahlen. Selbstständige ohne Pensionskasse dürfen bis zu 20 Prozent des Nettoerwerbseinkommens einzahlen, höchstens jedoch 36'288 Franken. Der Betrag ist vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar – das ist der Hebel, auf dem die indirekte Amortisation beruht.
Lohnt sich die indirekte Amortisation nach dem Systemwechsel 2029 noch?
Nur eingeschränkt. Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts per 1. Januar 2029 fällt der Schuldzinsabzug für selbst genutztes Wohneigentum weitgehend weg – und damit der halbe Steuervorteil der indirekten Amortisation. Der 3a-Abzug bleibt bestehen. Wer heute indirekt amortisiert, sollte die Rechnung deshalb für die Zeit ab 2029 neu aufstellen.
Für wen lohnt sich die direkte Amortisation?
Die direkte Amortisation passt zu Eigentümern mit hohem, stabilem Einkommen, die im Alter schuldenfrei sein wollen und auf Steueroptimierung wenig Wert legen. Ebenso für alle kurz vor der Pensionierung, die keine hohe Hypothek mehr mitschleppen möchten. Sie ist ausserdem die risikoärmere Variante, weil kein Marktrisiko auf einem Wertschriftendepot mitläuft.
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Daniel Schüpfer

Daniel Schüpfer

Mitgründer, Strategie & Marketing

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